In der Psychologie ist eine kognitive Karte ein mentales Modell, das wir von der Welt um uns herum entwickeln: wie Dinge miteinander verbunden sind, wo wir uns im Verhältnis zu anderen Punkten befinden und welche Wege möglich sind, wenn sich Bedingungen verändern.
Edward Tolman prägte den Begriff 1948 und zeigte, dass Ratten in einem Labyrinth nicht einfach einem auswendig gelernten Weg folgen, sondern eine innere Karte erstellen, die ihnen erlaubt, Abkürzungen zu nehmen, wenn ein Weg blockiert ist. Menschen tun das ebenfalls, nicht nur im physischen Raum, sondern auch im konzeptionellen Raum: Wir erstellen Karten von Ideen, Systemen, Institutionen und Beziehungen.
Werkzeuge wie GPS, Suchmaschinen und heute #KI sind unter anderem deshalb so leistungsfähig, weil sie uns einen Teil dieser Kartierungsarbeit abnehmen. Forschung zur Navigation zeigt jedoch einen Nachteil: Wenn wir uns zu stark auf Schritt-für-Schritt-Anweisungen verlassen, schwächen sich unsere eigenen räumlichen Orientierungskompetenzen.
Wir kommen zwar am Ziel an, wissen aber nicht wirklich, wo wir sind.
Dasselbe Risiko besteht beim Denken und Lernen mit KI: Wenn wir ein Modell immer entscheiden lassen, was relevant ist, wie Ideen verbunden werden oder welcher nächste Schritt folgt, verlieren wir möglicherweise unser eigenes Gefühl für das „Gelände“.
Es geht nicht darum, jede Karte zu bewahren. Es geht darum, die Fähigkeit zu bewahren, selbst eine zu erstellen.





